Der Verleger Kurt Wolff

Am 3. März 1887 wird Kurt Wolff als Sohn des Musikprofessors Dr. Leonhard Wolff in Bonn geboren.

Er studiert in Marburg, München, Bonn und Leipzig Germanistik. In Leipzig begegnet er Ernst Rowohlt, in dessen Verlag er 1908 eintritt. 1912 gründet Kurt Wolff seinen eigenen Verlag. Die ersten Werke von Hasenclever, Werfel, Kafka und Trakl erscheinen im neuen Kurt Wolff Verlag.

Zu den Autoren des Verlages gehören auch Georg Heym, Else Lasker-Schüler, Erich Mühsam, Karl Kraus und Heinrich Mann. Als Verleger des Expressionismus, auch wenn er sich nicht als solcher versteht, ist Kurt Wolff bis 1919 in Leipzig und später in München sehr erfolgreich. Ein Grund dafür sind die für seine Zeit unkonventionelle Werbemethoden. So preist er z.B. seine Bücher auf großen roten Plakaten an Litfaßsäulen an.

1924 gründet Kurt Wolff den ersten internationalen Kunstverlag Pantheon in Florenz, dessen Ausgaben die gesamte künstlerische Bandbreite von der Plastik bis zur islamischen Buchkunst umfasst und kunstwissenschaftliche Arbeiten einbezieht. Da Kurt Wolff immer besonderen Wert auf die Ausstattung und Gestaltung der Bücher seines Verlages legte, die unter anderem in der traditionsreichen Offizin Drugulin in Leipzig gedruckt wurden, konnte er mit dem Kunstverlag seine Ideen für schöne Bücher weiter verwirklichen.Im Kurt Wolff Verlag erschienen zeitgleich Gesamtausgaben von Emil Zola, Guy de Maupassant und Anton Tschechow.

Zwei kraft- und zeitraubende Verlage und die wirtschaftliche Lage zwingen Kurt Wolff 1930, den Münchner Verlag aufzugeben. 1933 verlässt er Deutschland und zieht mit seiner zweiten Frau Helen Wolff in die Toskana, wo sie eine kleine Pension betreiben. 1938 flieht die Familie vor den Nazis nach Frankreich, später nach Spanien. Am 30. März 1941 kommt Kurt Wolff in New York an. Hier meldet er sich als Verleger zurück und gründet in Erinnerung an den florentinischen Kunstverlag Pantheon Books.

Wichtigstes Anliegen ist die Verbreitung europäischer Literatur in Amerika. Bestseller werden u.a. die Sammlung der Märchen der Gebrüder Grimm und „Doktor Schiwago“ von Boris Pasternak, zu dem Kurt Wolff, wie zu vielen seiner Autoren eine enge Freundschaft unterhält. Der „Briefwechsel eines Verlegers“ dokumentiert den Gedankenaustausch mit dutzenden Autoren, unter ihnen Thomas Mann, Hermann Hesse und Gottfried Benn. Bei Pantheon Books erscheinen zweisprachige Ausgaben von Goethe, Rilke und Hölderlin. In Zusammenarbeit mit der Bollingen – Foundation können ebenfalls Werke der europäischen Geisteswissenschaften erscheinen.

Im Jahre 1958 entschließen sich Helen und Kurt Wolff, nach Europa zurückzukehren, diesmal in die Schweiz. Sie nehmen ihren Wohnsitz in Locarno, von wo aus sie immer wieder zu Reisen in Europa und in die USA aufbrechen. 1960 trennen sich Pantheon Books und Kurt Wolff. Auf Vorschlag des Präsidenten des Verlages Harcourt, Brace & World Inc. William Jovanovich gibt das Verlegerehepaar innerhalb dieses Verlages selbstbestimmt die Helen und Kurt Wolff Books heraus. Zu den Autoren gehören jetzt Günter Grass, Karl Jaspers und Peter Weiss.

Am 21.Oktober 1963 verunglückt Kurt Wolff tödlich bei einem Verkehrsunfall.