15. März 2014 Ausgezeichnet für Anarchie

Freitag Nachmittag wurde im Berliner Zimmer der diesjährige Kurt-Wolff-Preis verliehen. Der mit 26.000 Euro dotierte Hauptpreis ging an den Berliner Verbrecher Verlag, der Anerkennungspreis (5000 Euro) an den Mairisch Verlag aus Hamburg. Die Laudatio hielt der Schriftsteller Dietmar Dath, der bei den Verbrechern einst seinen ersten Roman veröffentlichte.

›Ich danke der Bundesrepublik Deutschland, dass sie uns für Sozialismus und Anarchismus auszeichnet‹, sagte Verbrecher-Verleger Jörg Sundermeier. ›Damit hatte ich nicht gerechnet‹. Sundermeier dankte – neben vielen anderen – auch dem unabhängigen Buchhandel. Der könnte, wenn denn alles gut geht, zur Leipziger Buchmesse 2015 selbst im Scheinwerferlicht stehen: Die von der Kurt-Wolff-Stiftung seit langem geforderte Förderung über ein Prämiensystem ist im aktuellen Koalitionsvertrag fixiert – und der Verwirklichung damit ziemlich nahe gerückt, wie Kurt-Wolff-Vorstand Stefan Weidle in seiner Begrüßung erklärte. Gegenwärtig laufen Gespräche über die konkrete Ausgestaltung, an denen auch der Sortimenter-Ausschuss des Börsenvereis beteiligt ist.

Dietmar Dath erzählt von seiner ersten Begegnung mit dem Verbrecherverlag: ›Den lernte ich kennen, als es ihn noch gar nicht gab – da stellten sich zwei Bielefelder als Männer vor, die ein Manuskript zur Not veröffentlichen und verkaufen wollten, wenn sie esanders nicht zu Lesen bekämen. Ich ahnte sofort, dass das unüblich war, obwohl ich noch garnicht dem Normalfall des Verlegers begegnet war, der das umgekehrt hält, nämlich ein Manuskript zur Not liest, wenn er es anders nicht verkaufen kann.‹ Diese launige Laudatio von Dieter Dath ist auf der Website der Kurt-Wolff-Stiftung nachzulesen, ebenso die Ansprache von Stefan Weidle, dem Vorsitzenden der Stiftung.

© Nils Kahlefendt / boersenblatt.net, 14.03.2014