Den großen Verlagen ihre Unterlassungssünden vorzurechnen, ist gewiss keine schwierige Übung; es geht hier ja auch nicht um eine Kritik an den Großen - oder jedenfalls nur insoweit, als die bloße Existenz mancher kleiner Verlage mit ihren Programmen implizit bereits eine scharfe Kritik des Programms vieler großer Verlage darstellt. (...) Gerade was das Feld der Literatur aus anderen Sprachen betrifft, darf man sagen: Die kleinen Verlage sind es, die immer wieder die großen beschämen - sei es, weil manche großen Verlage (es gibt, wie wir dankbar anerkennen, ein, zwei - ja vielleicht drei noble Ausnahmen) nicht oder nicht mehr den Mut, die Phantasie, das Engagement besitzen, sich um die Bücher zu kümmern, die wichtig sind, anstatt um die, welche anderswo gerade Bestseller waren. (...) Der Begriff der "Persönlichkeit" mag etwas pathetisch-dubios erscheinen; soll er für uns nur einfach bedeuten: das anhaltende, das hartnäckige Engagement einzelner Personen in Verlagen für eine bestimmte geliebte Literatur, für bestimmte bewunderte Bücher. Fehlt dieses Element, tritt der Niedergang des Verlagswesens ein. (...) Doch es ist offensichtlich, dass es eine entscheidende Fülle von Büchern gibt, ohne die der Leser nicht sein will und die er nur durch die guten Dienste der oft unbesungenen Kleinverlage in die Hand bekommt - als Frucht von deren Enthusiasmus. Der Maro Verlag und der Verlag Peter Kirchheim werden hier ausgezeichnet als Beispiele und Vorbilder eines solchen preiswürdigen verlegerischen Enthusiasmus.