Dank von Dr. Mark Lehmstedt zum Kurt-Wolff-Preis für
den Lehmstedt-Verlag, am 18. 03. 05 auf der Leipziger
Buchmesse im Berliner Zimmer


Sehr geehrter Herr Metzner, verehrte Damen und Herren der Jury, liebe Kollegen und Freude, liebe Johanna,

als ich vor zwei Jahren zum ersten Mal mit einem eigenen Stand auf der Leipziger Buchmesse vertreten
war und mit stolzgeschwellter Brust die pünktlich einen Tag vor Messebeginn erschienenen ersten Bücher
meines soeben gegründeten Verlages präsentieren konnte - die Nummer Eins übrigens mit dem geradezu
programmatischen Titel "Hungerjahre in Leipzig" -, da hatte ich natürlich mehr oder minder genaue
Vorstellungen davon, was ich in den folgenden drei oder fünf oder zehn Jahren gern erreichen wollte.
Es gab präsize Planungen und vage Wünsche, es gab Blütenträume und eine Menge Seifenblasen. Aber nie im
Leben wäre ich auf die Idee gekommen, daß der Verlag jemals, geschweige denn nach zwei Jahren, einen Preis
für sein Gesamtkonzept erhalten könnte. Ihr Anruf im Januar, lieber Herr Metzner, hat mich in der Tat
wie der sprichwörtliche Blitzschlag aus heiterem Himmel getroffen. Ich danke Ihnen, sehr verehrte
Mitglieder der Jury, von ganzem Herzen für die Auszeichnung, über die ich mich mehr freue, als ich in
Worte fassen kann. Sie können sich leicht denken, was es für einen Verleger bedeutet, wenn er einen Preis
erhält, der mit dem Namen eines der klügsten, feinsinnigsten und mutigsten Verleger verknüpft ist, den das
an großen Verlegerpersönlichkeiten nun wahrlich nicht arme Deutschland hervorgebracht hat. Für mich aber
hat der Preis dieses Namens noch eine ganz besondere Bedeutung, denn seit mehr als zwanzig Jahren betreibe
ich - zunächst hauptberuflich, heute nur noch in seltenen Mußestunden - das Geschäft der Buchgeschichte u
nd widme mich insbesondere der Leipziger Verlagshistorie. Wenn also ein der Germanistik entflohener Buch-
historiker, der zum Verleger konvertiert ist, den Förderpreis der Kurt-Wolff-Stiftung erhält, so ist das
schlechterdings nicht mehr zu überbieten!

Ich freue mich, daß mir die Preisverleihung die Möglichkeit gibt, einige Worte des Dankes zu sagen
- viel zu wenige und viel zu schwache Worte, wie ich wohl weiß. Ich danke den Buchhändlerinnen und
Buchhändlern dieser Stadt, daß sie mir von Anfang an einen Platz in ihren Regalen, eine Fläche in ihren
Schaufenstern eingeräumt haben. Ich danke den Druckereien und Buchbindereien, die aus elektronischen Daten
schöne, handfeste Bücher gemacht haben - ich danke vor allem Herrn Gutsche, Frau Ritter und den
Mitarbeitern von Jütte-Messedruck Leipzig für das Vertrauen, das sie mir entgegengebracht haben, seitdem
ich mit den allerersten Ideen zu ihnen gekommen bin, lange bevor der Verlag tatsächlich gegründet wurde.
Ich danke den Autoren, Herausgebern, Zeichnern und Fotografen, die mir ihre Werke anvertraut haben - ich
danke ihnen und ich bitte sie nachträglich und im Voraus um Verzeihung für den entsetzlichen Zeitdruck,
unter den ich sie fast immer gesetzt habe - gäbe es im Verlagswesen Geschwindigkeitsrekorde für den Zeit-
raum zwischen erster Idee und Auslieferung eines Buches, ich glaube, die meisten Bücher meines Verlages
hätten gute Aussichten auf Medaillenränge. Sehr herzlich danken möchte ich den Bibliotheken und Archiven,
die die Schätze gesammelt und gehütet haben, die vielen meiner Bücher zu Grunde liegen - in Leipzig und
Marbach, Dresden und Berlin, Weimar und Göttingen, usw.

Es sind aber vor allem drei Menschen, den ich zu tiefem Dank verpflichtet bin. Ohne sie hätte
dieser Verlag weder gegründet werden können noch hätte er sich entwickeln können.

Ich danke Dir, liebe Mutter, für Dein unerschütterliches Vertrauen und für die Unterstützung, die Du mir
gegeben hast und gibst.

Ohne Dich, liebe Doris, hätte ich den Verlag buchstäblich gar nicht ins Laufen bringen können. Und von
Anfang an hast Du die ganze tagtägliche Mühsal mitgetragen, hast leider auch fast den ganzen Ärger, der
einem Verleger nun mal nicht erspart bleibt, mit anhören müssen. Wenn ich keine Kraft mehr hatte, hast Du
mir wieder welche gegeben.

Und dann ist da noch Mathias Bertram, der dem Verlag sein Gesicht gibt, der jedes Buch aufs feinste
komponiert; der da überhaupt erst anfängt, kritisch zu Werke zu gehen, wo andere sich schon zufrieden
zurücklehnen; der eine wunderbare, jedem Buch speziell zugemessene und klug austarierte Typographie
entwickelt; ein Meister in der Gestaltung von Umschlägen, Einbänden, Plakaten und eines sehr schönen
Verlagssignets; der ideale Partner zum Aushecken von neuen Buchprojekten; kurz und gut: ein Partner, wie
man ihn als Verleger kein zweites Mal findet. Ich setze meine Lobeshymne jetzt nur aus dem einzigen Grund
nicht fort, weil ich allmählich in Sorge gerate, andere Verlage könnten ihn abwerben.

Im Alltagsgeschäft fehlt allzu oft die Muße, die notwendig ist, mit einem gewissen Abstand über das
nachzudenken, was man da eigentlich tagtäglich treibt. Als ich gestern, am ersten Messetag, durch die
Hallen der wunderbaren neuen Leipziger Messe ging, nein: wandelte, da fiel mir plötzlich ein, daß dies
für mich ein Jubiläumsjahr ist, denn 1975, vor dreißig Jahren, bin ich zum ersten Mal auf die Leipziger
Buchmesse gefahren, und wenn mich mein Gedächtnis nicht völlig täuscht, habe ich in diesen drei Jahrzehnten
nur drei oder höchstens vier Buchmessen verpaßt. Kein Mensch käme auf die Idee, die Leipziger Buchmesse
für ein lokales Ereignis zu halten. Sie war und ist ein Ereignis von nationaler und teilweise sogar von
internationaler Bedeutung und Ausstrahlung. Und das gilt überhaupt für Leipzig: Leipzig ist eine Stadt,
die über einen Zeitraum von mehr als sechs Jahrhunderten hinweg von nationalem und immer wieder von
europäischem oder gar Weltrang gewesen ist. Ein Verlag, der wie der meine den Reichtum und den Rang dieser
Leipziger, nein: dieser deutschen Kulturgeschichte zu seinem Programm macht, ist kein Lokal-, ist kein
Regionalverlag. Die Auszeichnung mit dem Förderpreis der Kurt-Wolff-Stiftung verstehe ich auch als
Anerkennung eines Verlagsprogramms, das Leipzig als einen Zentralort deutscher und europäischer Geschichte
präsentiert. Dafür danke ich Ihnen.